Bereits im Dezember 2007 fiel uns auf, dass bei der Pflasterung am Busbahnhof Saarlouis mit Kopfsteinen ein völlig unmöglicher Bodenbelag an den Querungsstellen gewählt worden war. Da die Steine zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgegossen waren, konnte die Stadtverwaltung – und hier besonders der Baudezernent Herr Heyer – davon überzeugt werden, dass dieser Belag gegen einen Plattenbelag ausgewechselt werden musste.
In der Karcherstrasse wurden bei den Umbaumaßnahmen Kleiner Markt auf Ratsantrag ebenfalls Kopfsteine als historisches Pflaster eingebracht. Mit einem Flyer an alle Ratsmitglieder und persönlicher Intervention durch Neuhaus und Ruppenthal in einer Bürgerfragestunde wurde erreicht, dass ein zwei Meter breiter Streifen mit glatten Betonsteinen, die zu den Kopfsteinen passen, als Behindertenweg eingebracht wurden.
Ebenfalls eingeplante Querungsstellen mit „Natursteinpflaster“, wie in der SZ beschrieben, konnten bei dem Umbau Lisdorfer Strasse nach einem persönlichen Gespräch mit dem OB und dem Baudezernenten verhindert werden.
Nach den gemachten Erfahrungen mit Kopfsteinpflasterungen bei den Baumaßnahmen in den vorhergehenden Monaten hat man sich kurzfristig entschlossen, stattdessen bei der Neupflasterung der Friedensstrasse ebenfalls das Betonpflaster zu verwenden, das nun zuvor schon zufriedenstellend eingesetzt wurde. Hier war unsere Intervention nicht mehr erforderlich.
Kurz vor Jahresende wurde dann auch noch die Kopfsteinpflasterung in der Silberherzstrasse in Höhe der Bierstrasse ebenfalls gegen das Betonpflaster ausgewechselt. Diese Problemstelle wurde von uns in der Vergangenheit mehrfach reklamiert, da auch der Fußweg in diesem Bereich kaum passierbar war.
Bei der Überprüfung älterer Sport- und Festhallen hatten wir festgestellt, dass es hier teilweise veraltete Behindertentoiletten gibt, die von der Einrichtung her zwar zugänglich, aber nur bedingt nutzbar sind. Zusammen mit der Behindertenbeauftragten Frau Cramaro hat das Ehepaar Neuhaus beispielhaft in der Behindertentoilette der Festhalle Saarlouis-Roden einer städtischen Architektin, die im Liegenschaftsamt tätig ist, vorgeführt wie eine solche Toilette sinnvoll eingerichtet sein sollte. Einige Teile der Einrichtung sind leider für Behinderte eher hinderlich als nutzbar. Inzwischen ist der Umbau zu aller Zufriedenheit erfolgt. Nach den hier gewonnenen Erkenntnissen sollen die städtischen Hallen überprüft und modernisiert werden.
In Punkto Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden war in dem vergangenen Jahr leider weiter kein Erfolg zu verzeichnen.
Zum internationalen Protesttag am 5. Mai wurde uns von der Firma Globus die Möglichkeit eingeräumt, mit einer Plakataktion vor dem Erfrischungsraum auf die besonderen Probleme in Saarlouis aufmerksam zu machen. Die Plakate haben dort eine Woche gehangen und fanden viel Beachtung. Die gleichen Bilder hatten wir bereits zuvor bei der Festveranstaltung „Vereine vor“ der Stadtwerke Saarlouis gezeigt.
Im Oktober haben wir an der Veranstaltung „Hürdenlauf“ der Behindertenbeauftragten der Stadt Saarlouis in den Räumen des Jugend- und Vereinshauses in der Lisdorfer Strasse teilgenommen und hier einen eigenen Hürdenlauf gezeigt.
Mit zwanzig ausgewählten Bildern, entsprechend betextet, haben wir den Hürdenlauf von Behinderten durch diese Stadt dargestellt. Leider war die Messe wegen mangelnder Werbung schlecht besucht.
Die aufwändige Bildserie, die auch unser Budget belastet hat, wird deshalb in der 25. Kalenderwoche (15. - 20.06.2009) noch einmal im Globus-Center der Öffentlichkeit gezeigt.
In den Medien waren wir durch einen sehr umfangreichen ganzseitigen Artikel durch unser Mitglied Anneliese Kuhn speziell über die Probleme von Gehbehinderten am 5. Mai präsent. Hier wurde ein von uns verfasster Leserbrief zum Anlass genommen, mit ihr eine Stadtbegehung zu machen und in Wort und Bild Probleme aufzuzeigen.
Auch zum Protesttag der Behinderten am 5. Mai erschien in der SZ ein umfangreicher Artikel, der sowohl über die Arbeit von Frau Cramaro und auch über unsere Arbeit berichtete. Hier kam dann auch zum Ausdruck, dass bei einer Bevölkerungszahl in Saarlouis von etwa 38.000 Bewohnern ca. 4.350 Personen schwerbehindert sind, also fast 9 %!
Ebenfalls auf unsere Initiative hin fand ein Ortstermin in der Karcherstrasse statt, der in den Medien Beachtung fand. Hier wurde von Vertretern der Stadt die neue Pflasterung vorgestellt, die in dem ersten Abschnitt bereits vorgestellt wurde.
Weiter haben wir uns mit Leserbriefen zu diversen Artikeln mit dem Thema „Barrierefreiheit“ zu Wort gemeldet.
Zum Thema Öffentlichkeitsarbeit zählen auch mehrere Besuche von Ratsitzungen und Wortmeldungen in den jeweiligen Bürgerfragestunden und das bereits erwähnte Gespräch zwischen Klaus Neuhaus und Bernhard Ruppenthal einerseits und OB Roland Henz und dem 1. Beigeordneten Manfred Heyer andererseits, das vom OB als „sehr konstruktiv“ bezeichnet wurde. Nicht unerwähnt bleiben sollte in diesem Zusammenhang auch ein Flyer, der von unserer Gruppe gedruckt und an die Ratsmitglieder verteilt wurde.
Unsere Seite wurde unter Berücksichtigung der gängigen Richtlinien für barrierefreie Gestaltung im Internet überarbeitet.
Auch wurde unser Wanderführer um etliche Wege ergänzt, die von Gruppenmitgliedern getestet worden sind.
Am 11. August wurde auf der Internetseite der SZ mit einem großen Artikel über die Homepage berichtet, und seitdem ist die Besucherzahl sprunghaft angestiegen.
Ähnlich wie bei den Ärzten der Ärztekammer Saarland war es auch bei den Zahnärzten inzwischen möglich, eine Befragung der Praxen nach Barrierefreiheit durchzuführen wie uns am 1. Oktober mitgeteilt wurde. Man hat hier unseren Fragebogen zugrunde gelegt, allerdings war zum Jahresende die Seite noch nicht endgültig erarbeitet zur Zahnarztsuche per Internet.
Von verschiedenen Mitgliedern unserer Gruppe, die teilweise jahrzehntelange Erfahrung mit der Bewältigung von Handicaps haben, wurden Beratungen auf privater, kostenloser Basis durchgeführt.
Nicht in jedem Fall waren wir in der Lage zu helfen. So können wir keine Hilfestellung leisten bei Problemen der Isolation oder praktischer Hilfen. Dafür ist unsere Gruppe zu klein und unsere Mittel zu begrenzt.
Während bei Tiefbaumaßnahmen die Stadtverwaltung Saarlouis wohl offenbar eher die Problematik „Barrierefreiheit“ erkannt hat, tut sich in Sachen öffentliche Gebäude so gut wie nichts. Für das Gebäude „Kaserne VI“ hat uns Herr Heyer auf der Rückseite, also dem Eingang Stadtbücherei, eine Rampe zugesagt. Hier gilt es, die Sache anzumahnen, sobald die Witterung entsprechende Umbaumaßnahmen zulässt. Der Umbau Theater am Ring dürfte sich weiter hinziehen, ohne dass wir darauf Einfluss nehmen können. Das Ziel des § 10 des Landesgleichstellungsgesetzes, bis zum 1. Januar 2014 eine weitgehende Barrierefreiheit zu erreichen, rückt näher, ohne das sich etwas tut!
Wie bereits unter Punkt „Öffentlichkeitsarbeit“ erwähnt, können wir unsere Bilderserie „Hürdenlauf“ im Juni in den Geschäftsräumen des Globus-Einkaufscenter noch einmal ausstellen.
Was uns das Jahr noch bringt und was sich von unserer Gruppe bewegen lässt, bleibt abzuwarten.