Diesen Teil unseres Berichts müssen wir mit einem „Leider“ beginnen, denn das vergangene Jahr hat hier so gut wie keine Fortschritte gebracht. Ob es nun an den vielen Wahlen gelegen hat, dass es hier keine Bewegung gegeben hat, wir wissen es nicht.
Als im Februar 2009 das Konjunkturprogramm auf den Weg gebracht wurde, sind wir nicht untätig geblieben. Mit einem Flyer an die Ratsmitglieder und einer Wortmeldung in der Bürgerfragestunde haben wir darauf hingewiesen, dass auch oder gerade Mittel aus diesem Konjunkturprogramm für die Fortführung der Barrierefreiheit eingesetzt werden sollten.
Anfang September haben wir in einem offenen Brief, den man auf unserer Homepage nachlesen kann, die neuen Ratsmitglieder und die Mitarbeiter des Rathauses hier auf die Zielsetzung des Landesgleichstellungsgesetzes hingewiesen, bis zum 01.01.2014 eine weitgehende Barrierefreiheit in unserer Stadt zu erreichen.
Nachdem sich auch in Saarlouis eine so genannte „Jamaika- Koalition“ gebildet hat, haben wir von dort das Signal bekommen, dass zukünftig per Änderung der Geschäftsordnung Vertreter von Behinderten ein Rederecht im Bauausschuss bekommen sollen. Das wäre natürlich ein großer Schritt vorwärts!
Das einzige konkrete Ergebnis ist, dass wir im Frühjahr mit dem Baudezernenten Herrn Heyer und Vertretern des Bauamtes eine Ortsbegehung bei der Kaserne VI durchgeführt haben und uns zugesichert wurde, dass hier bei den anstehenden Umbaumaßnahmen auf der Büchereiseite eine barrierefreie Rampe gebaut wird. Jetzt sind die Baumaßnahmen angelaufen, und die Rampe soll gebaut werden.
Und wenn dieses Kapitel mit einem „leider“ begonnen hat, so ist letztlich festzustellen, dass durch das Freilegen von historischen Mauerresten auf dem ehemaligen Schlachthofgelände hier zwei rollstuhlgeeignete Zugänge zum Saaraltarm ersatzlos weggefallen sind und damit ein Rückschritt in Sachen Barrierefreiheit erfolgt ist.
Hier hat uns wiederum das Einkaufszentrum Globus in Saarlouis die Chance geboten, die Probleme der Behinderten einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen: Unsere aus zwanzig Tafeln bestehende Fotoserie „Hürdenlauf“ konnten wir – nicht wie ursprünglich vereinbart – nur für eine Woche aufhängen, sondern für fast zwei Monate! Die Resonanz darauf war sehr erstaunlich, da selbst in den Nachbargemeinden wie z.B. Schwalbach von öffentlicher Seite auf diese Ausstellung hingewiesen wurde.
Eine weitere, sehr erfolgreiche Aktion war die Initiative der Bildzeitung Saarland, aus einer saarländischen Stadt über die Alltagssituation von behinderten Menschen berichten zu wollen. Die Reporterin Marny Meyer nahm mit uns Kontakt auf und setzte sich Ende Juli in einen von uns zur Verfügung gestellten Rollstuhl. Zusammen mit einem unserer Rollstuhlfahrer, Bernhard Ruppenthal, und als Rollstuhlschieber und Helfer Klaus Neuhaus haben wir die verschiedensten Hindernisse in der Stadt ausgetestet, aber auch auf Erfolge in Sachen Barrierefreiheit in Saarlouis hingewiesen. Am 14.08.09 erschien ein für Bildzeitungsverhältnisse umfangreicher und objektiver Zeitungsartikel, der eine große Resonanz erzielte, zu lesen auf unserer Homepage.
Mit Freude können wir feststellen, dass sie sich steigender Beliebtheit erfreut und es aus anderen Teilen des Saarlandes immer wieder zu bedauernden Anrufen kommt, weshalb wir uns im Wesentlichen auf den Kreis und Stadt Saarlouis konzentrieren.
Ganz stimmt dies nicht, gibt es doch immer wieder auch Seiten für das ganze Saarland. So konnten wir nach jahrelangen zähen Verhandlungen nun mit viel Freude auf die Internetseite der Zahnärztekammer zur Arztsuche hinweisen, die es nun endlich möglich macht, auch bei den Zahnärzten barrierefreie Praxen zu ermitteln.
Dank gebührt auch unserer Frau Mertes, welche die Seiten gestaltet und der es im vergangenen Jahr möglich war, die Homepage noch ansprechender und vor Allem übersichtlicher zu machen. Auch in Sachen Barrierefreiheit ist es ihr gelungen, Sehbehinderten den Zugang noch weiter zu erleichtern. Jetzt warten wir darauf, dass sich öffentliche Seiten wie z.B. die Homepage unserer Stadt, hier ein Beispiel nehmen.
Uns wurde ein neuwertiger Elektrorollstuhl kostenlos angeboten mit der Bedingung, dass er möglichst an einen bedürftigen Behinderten abgegeben wird, was sich zunächst als schwierig erwies.
Wir haben zunächst das wirklich noch gut intakte Fahrzeug in der Nähe von Saarbrücken abgeholt und stellten fest, dass nur die Batterien erneuert werden mussten. Aber etliche von uns angesprochenen – aus unserer Sicht – Bedürftigen sagten wohl aus Scham, sich etwas in dieser Größenordnung schenken zu lassen, das Geschenk ab. Letztlich haben wir dann doch noch jemanden gefunden, dem wir damit eine große Freude machen konnten.
Eine große Aktion war der Umzug eines Ehepaares – beide Rollstuhlfahrer, der Ehemann zudem noch herztransplantiert – aus einer mit Schimmel befallenen Wohnung in ein neues gesundes Heim. Der Umzug selbst wurde von der Ehefrau teilweise mit unserer Unterstützung sowie von öffentlichen Stellen gut gemeistert, das Problem war jedoch der Eingangsbereich des Hauses, der für Rollstuhlfahrer so ein Hindernis ist und im Fußwegbereich umgebaut werden muss. Dank der Hilfsbereitschaft sowohl der Behindertenbeauftragten Frau Cramaro wie auch diversen Mitarbeitern des Bauamtes der Stadt war die städtische Genehmigung recht schnell erfolgt, und nachdem auch die Eigentümergemeinschaft inzwischen ihre Zustimmung gegeben hat, kann endlich der Umbau erfolgen. In der langen Übergangszeit hat sich das Paar mit einer von uns ausgeliehenen Rampe beholfen.
Im vergangenen Jahr haben wir wiederum mehreren Behinderten mit Rat und Tat bei der sinnvollen Ausstattung mit Hilfsmitteln, wie z.B. dem sinnvollsten Rollstuhl oder in einem Fall dem zweckmäßigsten Toiletten- und Duschstuhl, zur Seite stehen können. Ein erst seit Kurzem Verunfallter hat sich bei uns verschiedene Verladesysteme von Rollstühlen angeschaut.
Am 22.11.09 haben wir mit mehreren Gruppenmitgliedern den Tag der offenen Tür in Orscholz beim Zentrum für traditionelle Chinesische Medizin besucht, um uns darüber zu informieren, inwieweit sich hier Behandlungsansätze für uns ergeben.
Für das neue Jahr erhoffen wir uns, in Sachen Barrierefreiheit in Saarlouis doch ein Stück weiter zu kommen. Hier erhoffen wir uns Einiges von der neuen Ratskoalition.
In Sachen Wanderwege war unsere Erfahrung mit dem Bommersbachtal eine herbe Enttäuschung. Durch die Erkrankung von maßgeblichen Rathausmitarbeitern der Gemeinde Bous hat sich dieses Vorhaben leider als Luftnummer erwiesen. Nun planen wir, weitere bereits vorhandene und möglicherweise geeignete Wanderwege im Saarland zu testen und damit unseren Wanderführer weiter auszubauen.
Ansonsten werden wir unsere Arbeit – in enger Zusammenarbeit mit der städtischen Behindertenbeauftragten Frau Cramaro – wie gewohnt fortsetzen und so auch als kleine Gruppe wie in den vergangenen Jahren mit großem Erfolg weiterführen. Dazu trägt auch bei, dass wir uns der Verwaltung gegenüber als kompetenten und verlässlichen Aktionskreis etabliert haben.
Klaus Neuhaus