Wie lebe ich bei uns Rollstuhl

Bild-Reporterin Marny Meyer wagte in Saarlouis einen Tag lang den ernüchternden Selbstversuch

Am Freitag, 14.08.2009, erschien folgender Artikel in der Bildzeitung, dem ein Besuch der Bild-Reporterin Marny Meyer bei uns in Saarlouis vorausgegangen war. Den vollständigen Artikel mit Fotos finden Sie hier: Zeitungsbericht

Da diese PDF nicht barrierefrei ist, geben wir den Inhalt nachfolgend wieder:

Ein Leben im Rollstuhl

Jede Stufe wird zum Hindernis. 122.651 schwerbehinderte Menschen leben im Saarland. Darunter 46.000 mit erheblicher Gehbehinderung. Ich, die Bildreporterin, habe einen Tag im Rollstuhl verbracht. Gespürt, wie sehr Gehbehinderte auf fremde Hilfe angewiesen sind.

Meine Begleiter sind Bernhard Ruppenthal (60, seit einem Arbeitsunfall vor 15 Jahren an den Rollstuhl gefesselt) und Klaus Neuhaus (71), seine Frau sitzt seit 25 Jahren im Rollstuhl. Beide engagieren sich im Aktionskreis Rollstuhlfahrer.

Sie haben mir einen Leichtlaufrollstuhl zur Verfügung gestellt. Zuerst ist da ein Gefühl der Scham. Alle blicken auf mich herab.

Ich stoße an meine Grenzen, komme ohne Hilfe nicht zurecht. Unsere Tour setzen wir mit dem Bus fort. Alleine komme ich nicht über die klaffende Lücke zwischen Bürgersteig und Buseinstieg. Ich brauche wieder Hilfe. Im Bus ist es eng. Jeder guckt, kaum einer rückt zur Seite. Für einen zweiten Rollstuhl ist kein Platz.

Am Busbahnhof inspizieren wir die Behindertentoilette. Zwei Türen muss ich öffnen, eine nach innen, die andere nach außen. Das ist viel zu schwierig. Es ist kaum Platz für meinen Rollstuhl.

Am Kleinen Markt sind nur die Hälfte aller Geschäfte für Rollis zugänglich. Auf der historischen Seite müssen Besucher über die Stufen in die Läden. Nirgends eine Rampe.

In der Altstadt wollen wir etwas trinken. Doch wie in die Bar kommen? Überall Stufen. Ulli Heidemann (46), Angestellte im Aramis, erkennt die Not, packt kurzerhand den Rollstuhl an: „Schwerer hätten Sie nicht sein dürfen."

Nach drei Stunden ist mein Tag im Rollstuhl beendet. Mein Fazit: Die Saarländer sind sehr hilfsbereit, aber es fehlt an Einsicht, dass sich viele Dinge ändern müssen.

Foto Bildreporterin beim Einstieg in den Bus

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