Wanderführer

Die hier angebotenen kleinen Wanderungen sind allesamt von Behinderten getestet, bewertet und auch zu Papier gebracht worden, immer jeweils aus der Sicht der Tester. Die meisten davon von unserem Testteam, bestehend aus zwei Rollstuhlfahrern und einem stark Sehbehinderten mit Blindenhund. Letzterer hat sich nur in Schwalbach unsicher gefühlt, ansonsten lagen die Probleme bei den Rollstuhlfahrern, weshalb wir darauf auch besonders eingehen. Beide Handicaps haben sich gegenseitig geholfen. Eine so kleine Gruppe wie wir konnte auch nur einen Teil der Wanderwege im Saarland testen und erfassen, und wir wollten keinen Weg nach dem „Hörensagen“ aufnehmen. Jeder, der die nachfolgenden Seiten liest, muss für sich selbst entscheiden, ob dies seine Wanderung ist. Wir haben uns bemüht, sie bestmöglich zu beschreiben. Wir wünschen viel Freude auf den empfohlenen Wegen.

Klaus Neuhaus

Saarlouis

Stadtführung durch die historische Festungsstadt:

Wie es schon der Name der Stadt verrät, ist Saarlouis vom französischen Sonnenkönig Louis XIV gegründet worden und die heimliche Hauptstadt des Saarlandes, wie man sie auch gerne nennt. Sie bietet mehr als schöne Geschäfte und Altstadt. Alte Festungsanlagen aus der französischen Zeit wie auch aus der späteren preußischen Ära versprechen eine kurzweilige und interessante Führung. Die Wege sind zumindest im ersten Teil gut mit Rolli zu befahren, wenn die Führung dann die Altstadt erreicht hat, gibt es allerdings etliche Strecken mit dem "heiß geliebten" Kopfsteinpflaster. Schließt man sich einer Führung mit Fußgängern an, gibt es einige unangenehme Teilstrecken, bei einer Führung speziell für Behinderte werden Ausweichstrecken genutzt.

Kleine Wanderung durch den Stadtgarten:

Vom Großen Markt geht man auf der linken Seite durch die Deutsche Straße, Stadttor, vorbei an den Kasematten über den Saaraltarm. Nach dem Gymnasium im Stadtgarten folgen wir dem Pfeil am Boden nach links in den Stadtgarten und sehen hier Teile des ehemaligen Hornwerks. Vorbei an altem Freibad und Jugendverkehrsschule kommen wir zum Campingplatz. Nach dem Gasthaus nach links über die Brücke und dann direkt an der Fußgängerfurt über die Straße und geradeaus hinunter zum Altarm. Wer den Saaraltarm umrunden will, geht nach links, braucht dafür aber Hilfe. Nach rechts führt der Weg vorbei an der Vaubaninsel mit dem Standbild des Marschall Ney, Sohn der Stadt Saarlouis und großer Krieger Napoleons. Unter der Schleusenbrücke hindurch - hier steigt der Weg beständig - geht es weiter bis zur Straße an den Kasematten, unserem Ausgangspunkt.

Lisdorfer Gemüsefelder bis Schiffsanleger:

Eine fast immer ebenerdige Strecke auf asphaltierten Wegen durch das Schwemmland südlich von Saarlouis, der Gemüsekammer der hiesigen Region, also keine langweiligen großen Anbauflächen, dafür ein bunter Flickenteppich mit den verschiedensten Gemüsesorten, wechselnd je nach Jahreszeit. Der zweite Teil der Strecke entlang der Saar auf dem alten Treidelpfad ist ebenfalls sehr abwechslungsreich. Man geht vom Kleinen Markt auf der linken Seite der Lisdorfer Straße bis zur "Von-Lettow-Vorbeck-Straße" und auf dieser auf der rechten Seite am alten Friedhof vorbei bis zur Straße „Fort Rauch“. Dieser folgt man fast bis zum Ende und trifft hier auf einen Feldwirtschaftsweg, der durch die Felder der Gemüsebauern bis zur Saar führt. Man geht nun nach links und nähert sich wieder Saarlouis. Unter zwei Brücken hindurch kommt man zur Schiffsanlegestelle, wo es sich sehr kurzweilig rasten lässt. Hier wendet man sich nun vom Flusslauf ab und geht von hier entlang des Stadtgartens zurück in die Stadt.

Spaziergang um den Taffingsweiher (Saarlouis-Picard):

Um den See wurde jetzt der Weg neu geteert und ist für Rollstuhlfahrer ideal zu befahren, da eben, breit und ohne Steigungen und Gefälle bis zur Gaststätte Taffingsmühle. Die Gaststätte kann man durch den Garteneingang betreten, die Toilette ist zwar mit Rollstuhl erreichbar, aber nur bis in den Vorraum. Der Seeweg ist idyllisch mit schönem Baumbestand, ruhig, erholsam, und in kurzen Abständen findet man Bänke zum Verweilen: ein Weg für einen Behinderten, der sich keinen großen Wanderweg zutraut. Die Anfahrt muss jedoch mit dem Auto erfolgen durch den gesamten Stadtteil Picard entweder von der Metzer Strasse (B 269) oder der Strasse Richtung St. Avold. Der Taffingsweiher ist gut ausgeschildert.

Beckingen

Beckinger Buchwaldweg:

Bereits im Ort findet man eine gute Beschilderung zum behindertengerechten Waldweg. Am Reit-/ Fahrverein vorbei zum Parkplatz am Waldeingang. Der gut befestigte Waldweg führt in einem leichten Auf und Ab durch einen schönen Mischwald, er ist gut mit dem Rollstuhlzeichen markiert. Es ist jedoch ein Weg ohne die sonst üblichen Aussichtspunkte, ein reiner Waldweg. Er macht aber besonders deshalb Freude, weil er nicht überlaufen ist, und der gehandicapte Mensch hier nicht überfordert wird. Sehenswert am Rande der Strecke ist die im Volksmund als „Bildchen“ bekannte Marienkapelle, die auch als Pilgerort bekannt ist. Hier gibt es auch Ruhebänke für eine Rast.

Blieskastel

Bliestal-Freizeitweg:

Die gesamte Strecke verläuft auf der Trasse der ehemaligen Bliestalbahn. Die meisten Kilometersteine entlang der Strecke sind noch erhalten. Die knapp 16 Kilometer sind asphaltiert, es gibt keine Steigungen! Start- und Endpunkte sind von jedem Ort entlang der Strecke von Blieskastel bis Reinheim möglich. Der Weg führt entlang der Blies durch Wiesen und Wälder vorbei an den ehemaligen Bahnhöfen, in denen an der gesamten Strecke zahlreiche Möglichkeiten zur Einkehr zum Essen und Trinken eingerichtet wurden. Der Europäische Kulturpark Reinheim mit Museum und weitläufigen Ausgrabungsgelände ist ein weiterer Anziehungspunkt. Weitere Informationen unter www.freizeitweg.de.

Bosen (Nohfelden)

Seerundweg Bostalsee:

Vom Parkplatz nach rechts, zunächst abseits des Sees in Richtung Campingplatz auf einem guten Teerweg. Der Rundwegbeschilderung folgen und man kommt zur sogen. „Skulpturenstraße“. Ab hier hat man auch Seeblick, und es geht in leichten Steigungen und Gefälle bis zur Staumauer. Weiter über diese auf festem Weg bis zum Strandbad Gonnesweiler. Es folgt ein längeres Teilstück mit Feinsplitt, aber gut mit Rolli zu befahren. Dann muss jedoch die Begleitperson in Aktion treten, denn wir kommen zu einer Spitzkehre zum Kunstzentrum Bosener Mühle in einem kleinen Tal, das wir auch wieder in einer Steigung verlassen müssen. Wer dies nicht schafft, kann diese Stelle umfahren, indem er weiter geradeaus nach Eckelhausen fährt und hier die Landstraße zum See mit Beschilderung „Bosener Mühle/Segelhafen“ benutzt. So kommt er zurück zum Rundweg und weiter zu seinem Ausgangspunkt.

Dillingen

Um den Ökosee Dillingen-Pachten:

Sie erreichen den Ökosee, wenn Sie die A 8 Ausfahrt Dillingen Mitte verlassen, in Richtung Stadt die Saar überqueren und in die erste Straße links einbiegen. Sie sehen links einen Weg, der Richtung Bootshafen und Schiffsanleger führt und finden hier einen Parkplatz. Von hier kommen Sie nach wenigen Schritten rechts ab an den Rundweg um den Ökosee. Keine besondere Beschilderung! Der Weg ist eben und kurzweilig, nur leider ist die Beschaffenheit des Weges besonders bei Regen für Rollis nicht optimal. Man hat sich seitens der Stadt Dillingen bemüht, ihn etwas auszubessern, was teilweise gelungen ist. Der Ökosee ist, wie der Name sagt, kein Parksee, sondern natur belassen mit entsprechendem Uferbewuchs mit vielen gefiederten Bewohnern.

Freisen

Fritz-Wunderlich-Weg:

Anfahrt: Ab Rathaus ortsauswärts Richtung Oberkirchen, dem Schild „Fritz-Wunderlich-Weg“ folgen ein Stück in den Wald, dann schräg rechts hinunter auf einem schmalen Weg zu dem kleinen Waldparkplatz.

Hier beginnt auf der alten Bahntrasse einer der schönsten Wanderwege in Deutschland, der auch als Behindertenweg deklariert ist. Zwischen Freisen und Kusel passiert man fast unbehelligt vom Autoverkehr die „Eiserne Brücke“, den „Oberkircher Viadukt“, zwei Tunnel und weitere Brücken. Man geht das Teilstück bis zum Viadukt, der Weg hat ständig ein leichtes Gefälle, auf dem Rückweg entsprechend eine leichte Steigung. Unterwegs hat man schöne Aussichtspunkte auf das Ziel Oberkirchener Talbrücke, die Burg Thallichtenberg, aber auch auf ein großes Damwildgehege. Man überquert die Eiserne Brücke (141 m lang, 22 m hoch), um nach 4 km zu einer Schutzhütte am ehemaligen Bahnhof Grügelborn zu kommen. Auch bis hier ist es mit Rückweg schon eine schöne Strecke.

Illingen

Spaziergang um die Burg Karpen:

Es handelt sich wirklich nur um einen Spaziergang, den man je nach Kondition ausweiten kann. Erwähnenswert ist, dass man um die Burgruine herum einen neuen Belag testet, der besonders für Rollstuhlfahrer geeignet ist. Es ist eine offenporige Masse, die plan eingewalzt wurde und sehr gut zu befahren ist - zumindest jetzt, wo sie noch keinen Frost überstehen musste. Ansonsten führen durch die Anlage verschiedenste, ebene Wege mit Platten- und Pflasterbelag, auch kleine Brücken, und das Ganze ist sehr abwechslungsreich. Wenn man in Illingen ist und das Wetter mitspielt, sollte man diese Gelegenheit nicht versäumen, zumal es sich hier um die behindertenfreundlichste Stadt des Saarlandes handelt. Das oben erwähnte Restaurant ist außerdem ebenfalls barrierefrei.

Orscholz

Saarschleife, Aussichtspunkt Cloef:

Hier lässt sich der Besuch des Reha-Zentrums, das zu einem erheblichen Teil auch für Behinderte nutzbar ist, mit einer kleinen Wanderung zum sicherlich schönsten Aussichtspunkt des Saarlandes verbinden, der Cloef. Wer nur laufen möchte, parkt möglichst weit oben auf den großen Parkflächen, da es zunächst bis zum Wald kräftig bergauf geht. Hier ist ein Helfer angesagt, und auch auf dem übrigen Weg gibt es noch kleine Steigungen. Der Weg mit Asphalt oder Kleinpflaster ist gut zu befahren. Auch das letzte Stück bis zum Aussichtspunkt ist recht steil, aber fahrbar mit Helfer. Wer die Strecke nicht komplett schafft, kann vom Kreisverkehr im Ort bis zum Waldparkplatz kurz vor dem Aussichtspunkt fahren. Das Schild „Durchfahrverbot“ darf mit Behindertenausweis missachtet werden. Es gibt es noch weitere, gute befahrbare Wege durch den Wald. Durch die vielen Besucher und das Reha-Zentrum mit Klinik Orscholz sind diese Wege touristisch sehr gut erschlossen, und viele Patienten mit Gehhilfen nutzen sie.

Saarbrücken

Deutsch-Französischer Garten:

Wir empfehlen all denjenigen, deren Kondition nicht für eine längere Tour ausreicht, einen Besuch in dieser wunderschönen Parkanlage, geschaffen zur Förderung deutsch-/französischer Freundschaft und zur Freude für alle Sinne. Im unteren Teil sind die gut mit Verbundsteinen gepflasterten oder geteerten Wege allein zu bewältigen, im oberen Parkteil gibt es einige Steigungen, und hier ist ein Helfer angesagt. Es gibt die verschiedensten Gartenbilder und das Schöne ist, dass der Eintritt frei ist, außer während einer Reihe von Großveranstaltungen. Dann ist auch die Bewegungsfreiheit mit dem Rolli etwas eingeschränkt, also vor dem Besuch bitte kundig machen.

Saarwellingen

Durch den Hochgerichtswald

Schon auf dem Weg zum Parkplatz wird auf den Behindertenwanderweg hingewiesen. Der Weg ist mit dem Rollstuhlzeichen als kleine und große Runde ausgezeichnet worden und gut befestigt. Auf der großen Runde geht man an der ersten Kreuzung geradeaus, der Weg steigt beständig leicht, an dem Schild „Steinbergbrunnen“ geht es im rechten Bogen weiter. An der nächsten Kreuzung hat man den höchsten Punkt erreicht, geradeaus geht es weiter, und der Weg fällt jetzt stetig bis zum Wildfreigehege. Hier wendet man sich nach rechts und folgt diesem Weg. Nun kommt man am örtlichen Sportplatz und Freibad vorbei. Hier zeigt uns das Piktogramm den Weg nach rechts in den Wald, und bald sehen wir das Schulzentrum und unseren Ausgangspunkt.

Schwalbach

Jahnhütte Schwalbach - Krickelsberg und zurück:

Die gesamte, gut ausgeschilderte Strecke hat eine Teerdecke, ist leicht hügelig, am Schluss etwas stärker ansteigend. Sie führt über einen Höhenzug, mit guter Sicht in die Landschaft und auf die umliegenden Dörfer. Besonders am Schluss des Weges, dem Krickelsberg, hat man eine gute Weitsicht (besonders natürlich die, welche den Aussichtsturm an dieser Stelle besteigen können).

Achtung:

Die Freude an dem schönen Weg wird dadurch geschmälert, dass man dreimal eine Landstrasse überqueren muss. Die Kreuzungen sind nicht übersichtlich, je nach Jahreszeit wird die Sicht aus dem Rolli durch die Vegetation stark beeinträchtigt und unser stark sehbehinderter Begleiter wies besonders auf die abfallenden oder steigenden Landstrassen und die teilweise versetzte Wegführung hin. Hier ist ein gesunder Begleiter zur Sicherheit sehr hilfreich.

Tholey

Auf dem Schaumberg Herzweg (Rundweg):

Schaumbergbad: (zum Herzweg kommt man an diesem Erlebnisbad vorbei, das behindertengerecht gebaut ist).Am Parkplatz weist ein Holzschild auf den Herzweg hin. Entgegen dem Uhrzeigersinn beginnt der Weg mit einer Steigung. Der gesamte, gut befestigte Weg ist von leichten bis mittleren Steigungen und Gefälle geprägt. Der Schaumberg (568 Meter) ist ein Aussichtspunkt mit einem herrlichen Blick bis zu den Vogesen, dem Pfälzer Wald und dem Hunsrück. Außerdem kommt man an einer kleinen Kapelle, bekannt als Afrikakapelle, vorbei. Der Herzweg bietet allein schon wunderbare Aussichten, selbst wenn es für einen stärker Behinderten zu anstrengend erscheint, bis auf den Gipfel zu gelangen. Ein wirklich sehr lohnenswerter Ausflug. Diese Tour lässt sich auch mit einem Besuch des Schaumbergbades verbinden, in dem es Restaurant und Biergarten gibt.

Weiskirchen

Spazierweg durch den Kurgarten

Man fährt den Parkplatz des Parkhotels Weiskirchen an, der zugleich zum Freizeitbad Vitalis gehört. Man kann im Hotel (Brasserie) essen oder Kaffee trinken und hat hier dann auch eine Behindertentoilette zur Verfügung. Vom Parkplatz aus überquert man die Straße und kommt mit geringem Gefälle in einen sehr schön angelegten Park mit einem großen See, der auf guten Wegen - teilweise Asphalt, Pflaster oder Holzdielen - diesen umrundet. Man kann auch an einem in diesen See fließenden Bach entlang auf einem Weg diesem Bachlauf folgen, muss allerdings diesen gleichen Weg wieder zurückgehen. So kommt man insgesamt auf ca. drei Kilometer Weg entlang sehr schöner und abwechslungsreicher Bepflanzung ohne Stress von irgendwelchen größeren Steigungen.

Rollstuhlfahrer bleibt zwischen zwei Bäumen hängen.
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